Schlingensief und das Operndorf Afrika: Analysen der by Jan Endrik Niermann

By Jan Endrik Niermann

Alterität wird in Lateinamerika zusehends unter dem Schlagwort des Dekolonialismus aufgerollt. Einer der „Vordenker“ dieser Eurozentrismuskritik ist der argentinische Befreiungsphilosoph Enrique Dussel. Ihm kommt eine entscheidende – im deutschsprachigen Diskurs jedoch kaum beachtete – Rolle in der Konzeptualisierung von Alterität im Hinblick auf deren emanzipatorische Neuformulierung zu. Auch hierzulande ist die Alteritätsdebatte komplex. Sie entzündet sich vor allem in der Kontroverse um die Herrschaftlichkeit des Subjekts. Das Buch analysiert neben den kulturwissenschaftlichen, philosophischen und soziologischen Theorien zur Alterität das implizite Alteritätsverständnis in Schlingensiefs Operndorf Afrika.​

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45). So dienen bspw. die Geschlechterbeziehungen der kolonialen ‚Anderen’ als imaginativer Beweis für deren ‚Rückständigkeit’ und zugleich als Durchsetzungspraxis einer heteronormativen Hegemonie und chauvinistischen Bedeutungsökonomie. Die ambivalenten kolonialen Projektionsflächen – von kriegerischen ‚Wilden’ bis zu Abbildungen paradiesischer Inselwelten – erscheinen zusammenfassend als ‚europäische’ Machtfantasien, die in meinem Verständnis nicht aus einem ‚europäischen’ Selbstbewusstsein entstanden sind, sondern aus dem wahrgenommenen Mangel die eigene Rolle ‚richtig’ definieren zu können.

Das koloniale Subjekt ist den hegemonialen Strukturen ohnmächtig ausgeliefert, während das kolonisierende Subjekt sich machtbewusst an den Schnittstellen der Repräsentationsapparate positioniert. Hier wird eine Problematik erkennbar, an der sich die rezenten kritischen Kulturtheorien mit großer Mühe abarbeiten: Wie lassen sich kulturelle Gebilde und Praxisgemeinschaften abgrenzen? – Wo hört das ‚Eine’ auf und fängt das ‚An- Annäherungen an die Alterität 49 dere’ an? Stuart Hall hat den Postkolonialismus entlang solcher Fragen als eine „im Entstehen begriffene Erkenntnistheorie“ (1997a: 240) beschrieben, die sich der dichotomisierenden Perspektiven des ‚hier’ und ‚dort’, von ‚damals’ und ‚heute’ sowie ‚Inland’ und ‚Ausland’ entledigt (vgl.

Identitäten werden damit verunsichert, ver- und aufgeschoben sowie in ihren Paradoxien sichtbar gemacht. Wie Said interessieren auch Bhabha die postkolonialen Repräsentationsformen der Anderen; nur berührt der Fokus seines Interesses einen anderen Punkt. Bhabha beschäftigt sich mit der fortgesetzten, konfliktiven Aushandlung von Identitäten und der hybriden Artikulationspraxis im postkolonialen Interaktionsverhältnis28, die sich in den widersprüchlichen psychischen Registern und eben in den Räumen des Dazwischen abspielen – nicht aber in schnurgeraden Begegnungslinien.

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